Ernährung

20. April 2021

Interview Magersucht

"In Wirklichkeit war ich ständig allein und habe mich täglich drei, viermal auf die Waage gestellt, hatte Panik vor dem Essen und starke Ekelgefühle mir selbst gegenüber. So stark, dass ich mich zum Beispiel möglichst schnell geduscht habe, um meinen Körper wieder verdecken zu können." Ich freue mich, mit diesem Blogpost sehr persönliche Einsichten in Lindas Erfahrungen mit der Krankheit Magersucht geben zu dürfen. Wir hoffen sehr, damit sowohl das Verständnis bezüglich dieser ernst zu nehmenden Krankheit zu fördern, als auch Hoffnung und Mut zu machen.

Wie ging es Linda und wie hat sie wieder ins Leben gefunden?

  Hallo hallo, meine Lieben!   Heute geht es um ein sehr spannendes und zugleich sensibles Thema: Magersucht. 1 von 10 magersüchtigen Menschen stirbt an der Krankheit… 1 von 10. Man sollte diese Krankheit ernst nehmen. Heute soll es aber nicht um Fakten gehen, sondern um sehr persönliche Einsichten in die Geschichte von Linda. Vielleicht kann genau dir dieses Interview helfen oder auch nur irgendetwas bringen. Wir erreichen Betroffene damit, indem du diesen Blogpost teilst. Ich bitte dich um ein respektvolles Feedback, stelle gerne Fragen und zeige Linda Liebe für ihren Mut, sich zu öffnen, um anderen Menschen Hoffnung zu machen. An dieser Stelle ist es mir, besonders im Internet, sehr wichtig zu sagen: Sei dir bewusst darüber, was deine Kommentare und Sprüche für einen Menschen bedeuten können. Kritisiere niemals Menschen anhand des Essverhaltens, biete deine Hilfe an oder sei einfach da. Ich bin sehr dankbar, dass Linda bereit war, ihre besondere Geschichte zu verbreiten.     Hey Linda, so schön, dass du heute da bist! Wie geht es dir? Hallo Debbie, vielen Dank für die Einladung! Mir geht es gut, danke.   Linda, du darfst dich jetzt einmal vorstellen für die, die dich noch nicht kennen. Mein Name ist Linda, oder auch kurz Lynn, und ich bin 26 Jahre alt. Aktuell arbeite ich bei einer Versicherung. Ich habe jedoch dieses Jahr eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin angefangen und hoffe in Zukunft in diesem Bereich arbeiten zu können.   Wenn dir irgendeine Frage zu intim ist, dann sag das bitte! Das ist vollkommen ok, es ist eine Krankheit, die einen enorm einnimmt, emotional… das ist nicht nur ein körperliches Problem. Sie ist mehr als der Wille dünn zu sein, das ist mehr ein Symptom, eher ein Zeichen, oder?! Es geht hier heute um dein Aussehen, deinen Körper, deine Psyche – du entscheidest. Dann starten wir jetzt: Linda, wie hat die Magersucht bei dir angefangen und wie alt warst du da? Ich war ungefähr zwölf Jahre alt, als ich in die Magersucht gerutscht bin. Ich hatte gerade die Schule gewechselt, da mich meine eigentlich beste Freundin seit längerer Zeit mobbte. Dazu kam, dass schon immer grundsätzliche Spannungen in der Familie vorlagen. Ich hatte Selbstzweifel. Emotional gesehen, hatte ich eine unsichere Basis, fühlte mich hin- und hergezogen und wurde permanent von meiner "Freundin" kritisiert. Nichts an mir war ok. Nur in einem Punkt wurde ich nicht von ihr kritisiert: Für meinen sehr schlanken, damals eher zu dünnen Körper wurde ich eher bewundert. Und dann kam der Punkt, an dem der Körper anfängt, sich zu entwickeln. Die weiblichen Rundungen kommen mehr und mehr zum Vorschein und die Hüfte wird etwas breiter. Ich habe damals allerdings nur gesehen, dass meine Hosen an der Hüfte enger wurden und dachte "Nein, ich will das nicht. Sonst werde ich dafür auch noch gemobbt." Und dann fing ich an so wenig wie möglich zu essen und viel mit Sport zu kompensieren.   Hat dir jemand gesagt, dass du zu dünn bist? Und wenn ja, wer war das? Tatsächlich kann ich mich nur an eine Situation mit meiner Mutter erinnern. Sie zog mich quasi auf die Waage und meinte: "Schau wie dünn du geworden bist". Mehr ist allerdings nicht passiert. Meine Eltern wollten es selbst nicht wahrhaben, dass ihre Tochter eine Erkrankung haben könnte, noch dazu eine psychische. Sowas gab es für meine Familie nicht, beziehungsweise es wurde als Makel gesehen. Einige Familienmitglieder haben mich aber auch gelobt: "Jetzt siehst du aber gut aus, so kannst du bleiben." Und dabei war ich untergewichtig. Was vielleicht als Kompliment gedacht war, hat mich nur noch mehr unter Druck gesetzt. Durch das Mobbing hatte sich bei mir festgesetzt, dass ich nur für meinen Charakter nicht gemocht werde. Vielmehr müsse man den anderen einen Grund dafür geben gemocht zu werden. Daher kam bei mir eher die Botschaft an, bloß nicht wieder zuzunehmen, da ich sonst dieses Wohlwollen wieder verliere. Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich, verglichen mit der Zeit, in der ich essgestört war, was fast 10 Jahre anhielt, nur kurz magersüchtig war. Bei mir kam bereits mit 13 Jahren die Erkenntnis, dass ich meinem Körper massiv Schaden zufüge und dies nicht mehr möchte. Aber deswegen ist man noch lange nicht gesund und ich hatte daher lange den berühmten Jojo- Effekt. Deshalb bin ich nie lebensbedrohlich abgemagert und es war für meine Umgebung nicht direkt sichtbar, dass hier jemand mit einer Essstörung vor ihnen stand. Man wird auch verdammt gut darin, sich zu verstecken und zu verstellen.   Bist du in eine Klinik gegangen? Und wenn ja, wie war es dort für dich? Ich war zweimal in einer Klinik. Es war jedoch keine spezielle Klinik für Essstörungen, sondern eine allgemeine psychiatrische Klinik. Vordergründig war ich aufgrund von Depressionen da, die ich mit 13 Jahren entwickelt hatte. Du hattest es zu Beginn selbst gesagt: Essstörungen sind vor allem auch Symptome. Sie entwickeln sich, wenn irgendwo etwas grundsätzlich nicht stimmt, es einem nicht gut geht und man es verdrängt oder vielleicht auch überdecken und anders kanalisieren möchte. Wobei hier angemerkt werden sollte, dass psychische Erkrankungen mindestens genauso vielseitig sind wie die Menschen, die sie bekommen. Aber zurück zu der Klinik. Am Anfang war es seltsam. Ich hatte mich mit 19 Jahren selbst eingeliefert und musste mich hier auch gegen meine Familie durchsetzen. Die Begeisterung hielt sich hierüber in Grenzen. Meine Eltern hatten es zu diesem Zeitpunkt akzeptiert, dass ihre Tochter eine psychische Erkrankung hatte, und ermöglichten mir auch eine ambulante Therapie. Aber es war noch immer ein Tabuthema. Daher wurde auch mit anderen Familienmitgliedern und engen Freunden nicht darüber gesprochen. Nach außen sollte ein bestimmtes Bild gewahrt werden. Ich hatte aber für mich fest entschieden in eine Klinik zu gehen, um auch von dieser Situation mal Abstand zu bekommen. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir aber schon sehr schlecht und ich wusste, dass hier etwas passieren muss! Daher diskutierte ich nicht über meine Entscheidung, sondern setzte sie durch. In der Klinik ist man mit einigen Mitpatienten auf einer Station und isst gemeinsam, unternimmt Spieleabende, grillt zusammen aber weint auch zusammen und spricht über die Themen, die einem wichtig sind. Es ist fast wie eine zweite Familie. Jeder hat gewisse Aufgaben zu erledigen. Zum Beispiel das Vorbereiten des Frühstücks oder das Kontrollieren des Kühlschranks und man bespricht wie in einer großen WG, was gut funktioniert, und was nicht, sowie die Aufgabenverteilung. Man nimmt viel Rücksicht aufeinander und niemand stellt seine Probleme über die des anderen. Jeder hat seine Gründe dort zu sein und möchte wieder seinen Weg finden. Das ist etwas, dass ich auf jeden Fall beibehalten habe. Andere nicht zu verurteilen, wirklich zuzuhören und gemeinsam zu helfen. Natürlich hat man auch verschiedene Arten von Therapien und jeder hat seinen Wochenplan mit Terminen. In der Klinik bin ich endlich an die Ursachenforschung gegangen: Wieso bin ich erkrankt? Was ist eigentlich alles passiert und wie geht es mir wirklich damit? Ich habe gelernt mich zu verstehen und wusste daher, was ich ändern möchte und worauf ich achten sollte.   Hast du dich durch die Krankheit selbst isoliert? Ja auf jeden Fall. Einsamkeit war ein sehr großes Thema. Klar habe ich in der Schule meine Freunde gesehen und zu Hause natürlich meine Eltern. Aber in der Freizeit war ich immer allein zu Hause. Mein Tag war auch durchgeplant. Morgens ging es in die Schule. Nach der Schule wurden Aufgaben für die Schule erledigt und dann ging es direkt mit dem Sport weiter. Der Bewegungsdrang war unglaublich stark. Teilweise habe ich in der Schule unauffällig meine Muskeln immer wieder angespannt, da ich es nicht ertragen konnte, so lange einfach nur zu sitzen. Naja, und nach dem Sport ging es wieder ins Bett. Und das jeden Tag. Immer wenn ich von diesem Ablauf abweichen musste, zum Beispiel durch ein Treffen mit Freunden oder anderen Terminen, hat mich das verunsichert und gestresst. Dieser Ablauf war mein Halt mit dem ich eine vermeintliche Vollkatastrophe, wie zum Beispiel eine Zunahme, verhinderte. Verabredungen mit Freunden, sei es zu einem gemütlichen Nachmittag, einer Unternehmung oder um abends wegzugehen, gab es daher sehr selten. Und wenn, konnte ich es nie wirklich genießen. In meinem Kopf wurden dann nämlich ganz viele Masterpläne geschmiedet, wie ich die vermeintlich verlorene Sportzeit wieder ausgleichen könnte.   Würdest du sagen, dass das Dünnsein die Magersucht ist? Viele denken, dass Menschen, die wieder ein normales Gewicht haben, aus der Magersucht raus sind, aber ist man dann auch zeitgleich psychisch regeneriert? Wie war es bei dir? Ich war z.B. untergewichtig, ohne „im Kopf“ magersüchtig zu sein, ich wollte nicht so dünn sein. Magersucht ist doch mehr als dünn sein, oder?! Ja, auf jeden Fall! Magersucht oder Essstörungen allgemein sind psychische Erkrankungen und der Körper eher das Instrument dem Ausdruck zu verleihen. Ich hatte bereits erwähnt, dass ich mit 13 Jahren beschlossen hatte, nicht mehr magersüchtig sein zu wollen, aber deswegen nicht gesund war. Und genauso ist es. Sei es, dass jemand erkennt, dass es schädlich ist oder jemand wieder ein gesundes Essverhalten lernt. Die Ursachen, wieso jemand überhaupt in eine Essstörung gerutscht ist, sind dann noch lange nicht geklärt. Essstörungen können auch heimlich passieren, wie bei mir. Für andere sah es so aus, als sei ich ein ganz normaler Teenie mit leichten Gewichtsschwankungen und ich hätte meinen engsten Freundeskreis irgendwo außerhalb der Schule. In Wirklichkeit war ich ständig allein und habe mich täglich drei, viermal auf die Waage gestellt, hatte Panik vor dem Essen und starke Ekelgefühle mir selbst gegenüber. So stark, dass ich mich zum Beispiel möglichst schnell geduscht habe, um meinen Körper wieder verdecken zu können. Ich wollte mich selbst kaum anfassen und Schwimmen zu gehen war eine Zeit lang gar nicht wirklich möglich. Nur weil jemand körperlich gesund aussieht, heißt es nicht, dass diese Person auch gesund ist. Wenn man das Problem nicht an der Wurzel packt, dann werden die Symptome immer wieder auftreten oder durch andere ersetzt werden. In diesem Zusammenhang habe ich die Bezeichnung "der eigentliche Hunger" gelesen und finde sie sehr passend. Gemeint ist, dass eben hinter der Erkrankung ein anderes Verlangen und eine Leere existiert, die man zu füllen oder zu verdecken versucht. Aber solange man nicht weiß, was eigentlich diese Leere ist, kann man machen was man will und man wird sie nie wirklich füllen können.   Wann und wie hast du dich gegen die Essstörung entschieden? Springen wir dafür gerne zurück in mein 13. Lebensjahr. Ich war auf dem besten Weg immer weiter in die Magersucht zu rutschen. Mein Körper war einer Mangelernährung ausgesetzt und gleichzeitig in einer Entwicklungsphase. Und so hat mein Körper eine Hormonstörung entwickelt. Meine damalige Ärztin hat sehr schnell eine Diagnose gestellt und mindestens genauso schnell die Bezeichnung "Unfruchtbarkeit" in den Raum geschmissen. Heute konnte ich mich mit der Hormonstörung beschäftigen und weiß, dass es sehr verfrüht war, eine mögliche Unfruchtbarkeit anzusprechen. Aber für mich als damals 13-jähriges Mädchen war es ein Schlag ins Gesicht. Mir wurde das einfach so um die Ohren geworfen und ich hatte niemanden, mit dem ich darüber sprechen konnte. Ich habe jeden Tag geweint und mir Vorwürfe gemacht. Und das war der Moment, in dem mir sehr schmerzhaft bewusst wurde, was ich meinem Körper da eigentlich zumutete und was ich damit anrichtete. Nicht nur für den Moment, sondern wenn ich Pech hatte für mein ganzes Leben. Da habe ich beschlossen mich selber aus der Magersucht zu ziehen. Meine Eltern wehrten jedes Gespräch ab und auch bei meinen Freunden hatte ich wenig Erfolg. Zumindest bei denen, die ich damals angesprochen hatte. Also habe ich selber recherchiert und mich zum Essen gezwungen. Daher habe ich tatsächlich die klassische Magersucht hinter mir lassen können. Bis ich jedoch auch die Essstörung hinter mir lassen konnte, sollte es noch etwas dauern.   Wie ging es über die Jahre für dich weiter? Von dem Zeitpunkt an, in dem ich erkannt hatte, dass ich mir selbst schade, bis zu dem Zeitpunkt, bei dem ich mich in die Klinik begeben hatte, führte ich eine Art Doppelleben. Wie bereits erwähnt war ich viel allein zu Hause, habe viel geweint, penibel das Gewicht kontrolliert und kämpfte gegen den Bewegungsdrang. Außerdem habe ich mich selbst und mein Verhalten analysiert. Zumindest so gut, wie das bei sich selbst möglich ist. Ich habe tatsächlich mehrfach am Tag notiert, welche Situation was in mir ausgelöst und was mich vielleicht sogar getriggert hat. So konnte ich aber tatsächlich herausfinden, durch welche Umstände es mir leichter oder schwerer gefallen ist, genug zu essen. Aber auch andere Reaktionen von mir konnte ich immer besser nachvollziehen. Als ich 16 Jahre alt war, hatte ich endgültig den Punkt erreicht, an dem ich allein nicht mehr weiterkam. Ich habe das Gespräch mit meiner Mutter gesucht und lange auf sie eingeredet, dass ich psychologische Hilfe bekomme. Wir haben uns dann einigen können, dass sie mal bei einer Psychologin anruft und fragt, wie diese die Situation einschätzt. Die Psychologin hat mich dann auch zu einem Gespräch eingeladen und direkt als Patientin aufgenommen. Eine richtige tiefgründige Therapie war dies leider nicht. Aber immerhin hatte ich endlich jemanden zum Reden. Gleichzeitig ging ich weiter auf das Gymnasium und habe mein Abi gemacht und habe die ersten Schritte in mein Berufsleben gewagt. Ich war nach außen sehr freundlich und aufgeschlossen und wirkte lebensfroh und mein Humor war eines meiner Markenzeichen. Gleichzeitig muss ich aber auf einige auch steif und unnahbar gewirkt haben, da ich die Kontrolle behalten wollte und niemanden wirklich an mich rangelassen habe. Ungefähr ein halbes Jahr nach dem Abi bin ich zusammengebrochen und habe mich dann für den Weg in die Klinik entschieden. Ich weiß noch, wie anstrengend dieser Spagat zwischen meinem aufgebauten Schein und dem, wie es mir wirklich ging, war.   Konntest du irgendwann sagen: „Jetzt liebe ich meinen Körper!“? Das war eher ein schleichender Prozess. Der Ekel vor dem eigenen Körper ging immer mehr zurück. Auch schwimmen zu gehen war irgendwann wieder möglich. Ich habe angefangen, mich selbst dafür zu schätzen, dass ich nie aufgegeben habe und damit begonnen, meinen Körper und mich immer mehr als Team zu sehen. Es freut mich immer wieder zu merken, wie er sich erholt hat und teilweise noch immer erholt. Ich arbeite jetzt mit meinem Körper und nicht gegen ihn. Er hat genug durchgemacht. Und kein Körper ist makellos. Ich als Person habe auch meine Macken. Da darf er auch welche haben. (lacht) Würdest du sagen, dass du dich wiedergefunden hast, jetzt Linda bist oder wohnt da noch „ein Dämon“ in dir? Hast du Lebensfreude? Ich bin wieder ich. Und dafür bin ich sehr dankbar. Eine Art Dämon habe ich nicht mehr bei mir. Der starke Bewegungsdrang ist auch weg. In sehr stressigen Situationen kann es sein, dass sich nochmal kurz "ein kleines Teufelchen" meldet. Dies ist vielleicht vergleichbar mit anderen Süchten. Ein ehemaliger Raucher würde in einer akuten Stresssituation auch eher wieder zu einer Zigarette greifen. Aber auch dies schwächt immer mehr ab und rückfällig werde ich deswegen schon lange nicht mehr. Ich nehme es nur noch am Rande wahr und erlaube dem nicht, mich zu beeinflussen. Ich sortiere es eher als hilfreiches Warnzeichen ein, dass ich dringend Me-Time benötige. Durch die Essstörung hatte ich meine echte Lebensfreude verloren. Ich werde nie vergessen, wie ich alte Videoaufnahmen von mir als Kind gesehen habe. Ich habe angefangen zu weinen und konnte gar nicht mehr aufhören. Zu sehen, welche Charaktereigenschaften ich eigentlich hatte... diese Lebensfreude und Lockerheit, einfach so anfangen zu Singen und zu Tanzen. Das zu sehen hat mir damals sehr wehgetan, da es mir gezeigt hat, was ich eigentlich alles verloren hatte. Gleichzeitig hat es mir geholfen, mich selbst wiederzufinden. Und ja heute sehe ich das kleine Mädchen nicht mehr nur in den Filmen, sondern, wenn man so will, jeden Tag. Ich erkenne mich selbst wieder und sehr zum Leid meiner Nachbarn fange ich wieder einfach so an zu Singen und zu Tanzen. (lacht)   Was findest du schön an dir? Uh gute Frage. Ich mag meine Augen. Augen sind echt. Man kann immer versuchen etwas zu verstecken. Aber die Augen verraten einen.   Wie oft hast du versucht, aus der Magersucht rauszukommen? Ich würde zwei Situationen als Rückfall bezeichnen. Also dass es mir danach deutlich schlechter ging und ich tendenziell mehr in die Essstörung gerutscht bin. Aber tatsächlich empfinde ich es rückwirkend als einen einzelnen langen Prozess. Ein Prozess in dem es mal bessere und mal schlechtere Phasen gab. Ich war zwischenzeitlich nie vollständig gesund oder habe aufgegeben. Aufgeben war nie eine Option. Ich habe Rückschläge eher versucht zu verstehen. Wieso ist das passiert? Was genau war eigentlich der Auslöser? Und habe mit den neuen Erkenntnissen einfach weitergemacht.   Inwieweit hat sich die Magersucht auf dein Liebes- und Sexualleben ausgewirkt? Wenn man seinen eigenen Körper ablehnt, dann möchte man erst recht keine Nähe zu einer anderen Person. Ich wollte sowohl physisch als auch psychisch keine wirkliche Nähe. Niemand sollte sehen, wie es mir wirklich ging. Hatte ich am Anfang versucht mit jemandem zu reden, ohne Unterstützung zu bekommen, wollte ich irgendwann mein Doppelleben bewahren. Ich hatte Angst, für die Person nur noch "die Kranke" zu sein und deswegen wieder allein zu sein oder gar verspottet zu werden. Also habe ich Bekanntschaften, aus denen sich etwas hätte entwickeln können, lieber schnell wieder beendet. Das gleiche galt auch für Freundschaften. Ich hatte einige Freunde, aber wie eng ich mit jemandem befreundet war, schwankte stark. Immer wenn es zu eng wurde und ich mein Geheimnis nicht mehr wahren konnte, habe ich mich zurückgezogen. Das Paradoxe daran ist, dass man sich eigentlich genau das Gegenteil wünscht: Eine Freundschaft oder eine Beziehung, in der man akzeptiert wird und ehrlich sein kann. Da Sexualität auch etwas mit Nacktheit zu tun hat, war dies für mich ein großes Problem. Darüber hinaus auch ein sehr schmerzhaftes, da ein sehr einflussreicher Teil von mir diese körperliche Intimität nicht wollte. Der Körper versperrte sich davor, er versteifte sich. Dann kann sowas sehr schmerzhaft sein. Doch auch hier möchte ich diese Erfahrungen nicht verallgemeinern. Zum Glück ist auch dies alles wieder vollständig verschwunden.   Was sind deine Zukunftsträume? Einen Traum erfülle ich mir mit meiner Ausbildung zur psychologischen Beraterin. Meine eigenen Erfahrungen mit Wissen zu paaren. Das wollte ich schon sehr lange. Ich hoffe mit dieser Kombination Menschen zu motivieren, zu ermutigen und helfen zu können. Über meine Erfahrungen und Denkanstöße fange ich gerade an auf Instagramm zu berichten. Ich möchte so in den Austausch kommen. Wer weiß, vielleicht kann ich damit einer Person wirklich Mut machen. Mir hat es damals geholfen, von anderen zu lesen, dass Sie es geschafft haben. Ansonsten plane ich gar nicht viel für die Zukunft. Ich habe Ideen, die ich verfolge und ansonsten möchte Ich mir treu bleiben und den Moment genießen. Ich lasse die Dinge auf mich zukommen und vertraue darauf, dass ich meinen Weg weiterhin gehen werde, und immer das Beste aus einer Situation raushole.   Was möchtest du den Lesern mit auf den Weg geben? Was sind deine Tipps? Auf jeden Fall möchte ich mitgeben, dass man mit dem puren Willen viel erreichen kann. Lernen mich selbst zu verstehen, hat mir auch sehr viel geholfen. Die Ursachen zu erforschen, sich Hilfe zu holen und in diesem Rahmen auch schmerzhafte Erinnerungen oder Ähnliches zuzulassen ist wichtig. Wichtig, um Dinge hinter sich lassen zu können. Und auf gar keinen Fall, braucht man sich zu schämen, wenn man sich Hilfe holt. Im Gegenteil: Wenn man bereit ist, sich dies einzugestehen und sich den Ursachen zu stellen, ist es etwas Mutiges. Speziell zum Thema kann ich noch sagen, dass es mir sehr geholfen hat, mich nicht mehr zu wiegen. Ich habe von heute auf morgen einfach damit aufgehört. Am Anfang war ich sehr verunsichert, da ich nicht einschätzen konnte, ob ich nun zunehme, oder nicht. Aber ich habe gelernt mein Wohlbefinden nicht mehr von einer Zahl abhängig zu machen, sondern einzig und allein daran, wie es mir geht und wie ich mich fühle. Ich habe aufgehört mich selbst über das Gewicht zu definieren. Wir sind so viel mehr als unser Gewicht.   Linda, danke, dass du uns gezeigt hast, dass es geht! Danke für deine Offenheit – das ist nicht selbstverständlich!     Scheut nicht davor zurück, euch Hilfe zu suchen. Selbst Ärzte gehen zum Arzt, selbst Coaches gehen zum Coach. Sei ehrlich mit dir selbst - du schaffst das!       Bis zum nächsten Blogpost – live simple & beautiful!   Deine Debbie     PS: Ihr könnt Linda für einen direkten Austausch auf Instagram folgen, sie heißt dort: „empower.yourself_by_lynn“ (Werbung)

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